Von einem galanten Charmeur, der gerne Bösewicht sein will …

Lucius WolterSchon lange ist Lucius Wolter nicht nur auf Deutschlands Musicalbühnen bekannt und beliebt. Auch Österreich und die Schweiz engagiert den sympathischen und charismatischen Schauspieler regelmäßig und gerne. In Dänemark am Stadttheater in Abenrade hatte er sein erstes professionelles Bühnenstück mit „Figaros Hochzeit“ erfolgreich absolviert. Seine Engagementliste liest sich alphabetisch wie ein Traum: Begonnen bei Anatevka, über Camelot, Dracula, Elisabeth, Elisabeth – Legende einer Heiligen, Gustav Klimt, Jesus Christ Superstar, Les Miserables, Phantom der Oper, Rebecca, Titanic, West Side Story…

Und schon steht die Premiere am 3.2.2011 mit „Grand Hotel“ im Staatstheater am Gärtnerplatz in München an.

In Hauptrollen in den Stücken „Elisabeth – Legende einer Heiligen“, sowie „Die 10 Gebote“, „Kolpings Traum“ oder in Tecklenburg „West Side Story“ wird uns Lucius Wolter dieses Jahr begeistern und verzaubern. Man darf auf das Gesangs- und Schauspieltalent wirklich gespannt sein und umso mehr freuen wir uns, ihn für ein Interview gewonnen zu haben.

Lucius, fangen wir mal ganz von Vorne an. Wie so viele hast Du Deine ersten Gehversuche in der Musik mit der Blockflöte begonnen. Ab wann war Dir bewusst, dass Du Musik zum Beruf machen möchtest?

Das war mir relativ früh  klar, mit 12 oder 13 schätze ich. Wobei ich länger hin und hergeschwankt bin zwischen dem Wunsch Dirigent oder Sänger zu werden. Schlussendlich ist es ja dann doch Sänger geworden.

Gab es berufliche Alternativen für Dich, wenn ja welche?

Also neben der Alternative Dirigent interessiere ich mich noch für die Politik, war in meiner Jugend bei den Jusos, der Jugendorganisation der SPD aktiv. Auch jetzt studiere ich nebenher Politologie und habe im Herbst 2010 im Bundestag in der Arbeitsgruppe Kultur / Medien der SPD Fraktion gearbeitet. Das ist also durchaus auf lange Sicht eine Alternative.

Nach zahlreichen klassischen Engagements (Opern wie Tosca, Turandot u.v.a.) hat Dich Deine Karriere auf die Musicalbühne geführt. Vermisst Du die Klassik?

Ich gehe auch jetzt noch sehr gerne in die Oper und auch vor allem in klassische Konzerte. Selber aktiv in die Klassik zurückzukehren schließe ich aber eher aus, die klassischen Engagements beziehen sich ja auch eher auf meine Zeit im Kinderchor der Oper in Hamburg und auf die Anfänge meiner Karriere.

Ein Wechsel würde 1. doch noch einiges an Stimmtraining erfordern, was wiederum die Arbeit wegen des anderen Gesangsstils im Musical erschweren würde ( beides ist leider nur sehr schwer möglich aus verschiedenen Gründen ) und 2. liegt mir die „Opernwelt“ ( nicht die Opern an sich ), um es mal pauschal auszudrücken, nicht sonderlich. Und 3. habe ich vor ca. 15 Jahren ein Interview mit dem mittlerweile verstorbenen Intendanten August Everding gesehen. Darin hat er erzählt, dass er die berühmtesten Sänger kennengelernt hat, und ausnahmslos alle die einsamsten Menschen waren. Das hat mich dann doch abgeschreckt, diesen Beruf zu ergreifen.

Die Geister scheiden sich darin, ob Musical überhaupt in der Musik akzeptiert und angesehen ist oder nicht. Meine Ansicht ist, die Basics basieren aus der Klassik, allein schon die Technik. Der Rest ist Übung und Geschmack. Eine gute Musicalstimme erkennt man daran, dass sie auch klassisch interpretieren kann. Wie siehst Du das?

Da gibt es meines Erachtens eine Verwechslung im Musical. Und zwar gibt es lyrische Stimmen mit klassischem Klang ( dazu würde ich mich eher zählen ) und wirklich klassischen Stimmen, die auch auf der Opernbühne mit großem Orchester ohne Mikrofone bestehen müssen. Zwischen beiden ist ein relativ großer Unterschied.

Die Basics, wie Du richtig sagst, sind aber natürlich die selben bei den beiden oben von mir  genannten Fällen.

In eine etwas andere Richtung geht der Rockgesang, der sich in einigen Aspekten noch deutlicher vom klassischen Gesang unterscheidet, ( zum Beispiel dem Stimmansatz ).

Das Ansehen des Musicalgenres bei „Klassikern“ ist leider immer noch eher durchwachsen nach meiner Erfahrung. Dies liegt natürlich an einigen Missverständnissen. Musical ist nicht „Oper – Light“ sondern eine gänzlich andere Unterhaltungs – und Kunstform mit eigenen Regeln und Stilistiken. Gerade auf Seiten der Klassik fehlt es hier oftmals leider noch an Akzeptanz und Respekt.

Denkst Du, dass Dich die Klassik insofern ausbildungstechnisch weitergebracht hat?

Bezogen auf die Basics auf jeden Fall, ja.

Kommen wir zu Deinen Engagements. Nach Thun steht nun auch Tecklenburg mit der „West Side Story“ an. Erzähl doch mal, welche Rolle wirst Du übernehmen, wie bereitest Du Dich auf die Rolle vor?

Also da es ja in der Vergangenheit liegt kann ich für die Rollenvorbereitung für die Tonys sagen, dass ich mir das „Original“, Romeo und Julia, nochmal durchgelesen habe. Ausserdem den Film nochmals angesehen und mir einige Aufnahmen angehört, um schonmal eine 1. Richtung für eine Interpretation zu finden ( die sich oftmals in den Proben dann aber doch noch mal grundlegend ändert ). Je näher die Proben rücken desto weniger höre ich mir fremde Aufnahmen an und versuche eigene Wege zu finden. Dazu gehört dann natürlich das Rollenstudium, üben der Songs usw.

Lucius WolterWas den Tony angeht muss ich zugeben, dass mir der Film und auch die oftmals kritisierte Darstellung des Tony von Richard Beymer sehr gut gefallen haben und ich doch einige Inspiration daraus gezogen habe. Generell finde ich gesanglich eine zu klassische Interpretation des Tony völlig verkehrt. Er war ein Mitglied der Gang und ist auch in dem selben Alter wie die Rest der Gang, insofern finde ich es immer seltsam wenn der Tony plötzlich wie ein Opernsänger singt. Zu Beginn wurde der Tony ja auch tatsächlich von Tänzern besetzt, welche die Songs sehr viel gerade und purer gesungen haben. Einen Mittelweg und Spagat zwischen den anspruchsvollen Songs und der Zugehörigkeit zu der Gang und den anderen Jungs zu schaffen ist für mich die große Schwierigkeit der Rolle Tony.

Wie werden sich die beiden Rollen interpretatorisch unterscheiden? Gibt es wesentliche Unterschiede in der Regie/Choreographie, die Dir da Spielraum lassen?

Man baut grundsätzlich auf vorherigen Inszenierungen auf, eine komplett jungfräuliche Herangehensweise ist nur schwer möglich. Gerade wenn man noch mit der selben Regisseurin arbeitet. Trotzdem bieten natürlich die Kollegen und die Bühne und auch die Musiker einen großen Kontrast und neuen Input, so dass es tatsächlich in vielen Aspekten zu einer neuen Interpretation kommt.

Deine Biografie weist immer wieder auf, dass Du die „jungen Liebhaber“-Rollen verkörperst. Würdest Du nicht auch gerne mal einen Bösewicht spielen oder eine verstellte, hässliche Figur? Schwebt Dir konkret ein Charakter vor?

Mit der Figur des Franz Matsch in „Gustav Klimt“ habe ich ja schon so etwas wie einen Bösewicht gespielt und hatte auch sehr viel Spass daran. Die Beweggründe des „bösen“ Menschen kennenzulernen und nachzuvollziehen sind eine sehr spannende Arbeit. Oftmals kommt man dann sehr schnell dahinter, dass es wirklich böse Menschen nur selten gibt ( wobei ich jetzt natürlich Mord und Totschlag nicht damit meine, was aber auf Franz Matsch nicht zutrifft ).

Generell kann man sagen, dass Rollen mit deutlichen inneren Konflikten eigentlich die spannendsten sind.

Die typischen „junge Liebhaber“ Rollen erledigen sich bei mir, wie ich hoffe,  mit dem Alter von selbst. Ich möchte den „Marius“ aus Les Miserables wahrlich nicht missen, eine großartige Rolle. Aber spielen möchte ich sie eigentlich nicht mehr. Die Konflikte eines heranwachsenden Teenagers liegen dann doch ein paar Jahre hinter mir nun :).

In Fulda ist die Rede von einer demnächst anstehenden Premiere des Musicals „Kolping‘s Traum“. Kannst und darfst Du schon Näheres verraten für alle, die mit dem Titel gar nichts anzufangen wissen?

Da kann ich leider noch nichts genaueres verraten, da dieses Stück noch nicht offiziell vorgestellt worden ist, bis auf eine relativ kurze Präsentation auf einer Kolping – Tagung

(http://www.youtube.com/watch?v=vw9FvOJA6No). Auf jeden Fall muss man sich noch etwas gedulden, bis es kommt.

Längst und etabliert ist auch das Stück „Elisabeth-Legende einer Heiligen“. In diesem Stück hast Du die Rolle des Ludwig übernommen. War es für Dich etwas Besonderes, in einem der erfolgreichsten, neuesten Stücke mitwirken zu dürfen?

Ich habe mich sehr gefreut bei diesem Stück dabei gewesen zu sein. Ich hatte dort fantastische, engagierte Kollegen, ein professionelles, sympathisches Umfeld und auch das Stück hat mir sehr gut gefallen.

Worin bestand in dieser Rolle die Herausforderung für Dich?

Der Ludwig war in Wirklichkeit ein nicht sehr friedvoller Herrscher in einer sehr grausamen Zeit, was man in dem Musical zumindest andeutungsweise zeigen sollte. In den Konflikten mit dem Bruder und auch in dem Fanatismus, auf Kreuzzug zu gehen habe ich versucht das zu verdeutlichen. Auf der anderen Seite muss er natürlich auch der weltliche Anker für Elisabeth sein, was in dem wundervoll zu spielenden und zu singenden Duett „Augenblick“ denn auch reichlich möglich ist.

Du bist neben der Schauspielerei auch als als Komponist und Korrepetitor tätig. Wird es ein Stück „made by Wolter“ geben? Wie könnte das ggf aussehen, geschichtlich sowie musikalisch?

Mir schweben tatsächlich einige Melodien vor, die mittlerweile über Jahre reifen, und auch 2 Konkrete Themen für Musicals schweben mir vor. Bis das konkret wird können aber noch Jahre wenn nicht Jahrzehnte vergehen. Damit lasse ich mir noch Zeit.

Kommen wir abschließend zu Deiner Teilnahme am Pop-Oratorium „Die 10 Gebote“ in Remscheid und Solingen. Wie kann man sich das Ganze vorstellen  und was erwartet den Zuhörer, wenn er dieses Oratorium besucht.

Ich glaube gute Unterhaltung mit tollen Stimmen, schönen Melodien und großem Chor umschreibt es ganz gut. Ich freue mich sehr, neben den anderen tollen Kollegen und natürlich meiner Freundin Silke Braas, mit dem großartigen DMJ endlich mal auf der Bühne zu stehen.

Gibt es etwas, was Du schon immer loswerden bzw. sagen wolltest?

Neben den 10 Geboten und Grand Hotel werde ich mit Silke, DMJ und Jessika Kessler noch ein Konzert geben in Berlin am 18. April im Meistersaal am Potsdamer Platz. Über Zuschauer freuen wir uns natürlich sehr.

Vielen lieben Dank für Deine Zeit und Mühe, lieber Lucius, wir sehen uns in „Grand Hotel“ 😉

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